Seoul (30. Juli – 08. August 2018)

Die letzte Station auf unserer einjaehrigen Reise: Seoul, die Hauptsstadt Suedkoreas. Knapp 10 Millionen Einwohner und ein willkommenes Grossstadtflair nach unserer eher ruhigen Woche auf der Insel Jeju.

Alte und neue Freunde

Wir kommen im Michigan House & Pub unter. Seit Langem mal wieder ein richtiges Hostel mit bunt gemischtem Publikum, guter Musik und, wie der Name schon sagt, kleiner netter Bar. Abends trifft man sich auf der Strasse vor dem Hostel und plaudert ueber das Reisen und das Leben an sich.

Wir treffen neue Freunde aus Suedafrika, Algerien, Argentinien, Indonesien und sogar eine Koreanische Punk Band. Eigentlich hatten wir uns ueberlegt fuer die letzten paar Naechte noch in ein nettes Hotel mit Pool zu ziehen, aber es gefaellt uns hier einfach zu gut und die knapp 10 Euro fuer ein Dormbett sind natuerlich auch ein Argument.

Michigan House & Pub in Seoul

Und wir treffen uns mit Moon, den wir auf unserer Dschungeltour in Malaysia kennen gelernt haben. Er wohnt in Seoul und zeigt uns in den kommenden Tagen seine Stadt. Einen koreanisch sprechenden ortskundigen Fuehrer zu haben ist einfach unbezahlbar und wir koennen ihm nicht genug danken fuer seine Zeit und seine Geduld.

Mit guten Freunden in Seoul

 

Carpe Noctem in Seoul

Ob es nun die unterbewusste Vorbereitung auf die bevorstehende Heimreise und damit anstehende Zeitverschiebung ist, oder doch das heisse, schwuele Wetter, kann ich nicht sagen. Ich tausche jedenfalls einfach Tag und Nacht. Vor 16:00 Uhr verlassen wir nicht das Haus und es wird regelmaessig hell bevor wir in unsere Betten kriechen. In Seoul kann man aber auch wirklich hervorragend ausgehen. Mit Moon an unserer Seite ziehen wir durch die riesige Stadt, geniessen lokale Spezialitaeten und lernen wie die Koreaner feiern.

Neben dem klassischen Bier, trinkt man in Suedkorea auch gerne Soju. Traditionell ein aus Reis destilliertes Getraenk mit ca. 20% Alkohol, wird Soju heute meisst auf Ethanolbasis hergestellt und ist daher recht guenstig. Oft mischt man ihn auch mit Bier. Interessant aber sicherlich nicht jedermanns Sache. Die etwas leichtere Variante ist Makgeolli: der ist dann trueb und hat nur um die 7% Alkohol.

Makgeolli und Tofu

Beim gemeinsamen Trinken gibt es diverse Regeln zu bachten. So schenkt man sich niemals selbst nach, was bei unaufmerksamen Trinkpartnern schon echt problematisch werden kann. Die Flasche haelt man dabei am besten mit beiden Haenden und beruehrt auf keinen Fall das Glas oder die Schale damit.

Es gibt also viel zu lernen und zu entdecken im naechtlichen Seoul und mit Moons Unterstuetzung versoehne ich mich auch mit der koreanischen Kueche.

 

Suedkoreanische Spezialitaeten

Koreanisches BBQ haben wir ja schon in Busan und auf Jeju probiert. Das ist aber, wie wir jetzt lernen, nur die Spitze des Eisbergs. Wider erwarten finde sogar ich, mit meiner Abneigung gegen Fettiges und Scharfes, genug sehr leckeres lokales Essen. Besonders die koreanischen Pfannkuchen (wahlweise mit Kimchi) und die diversen Zubereitungsarten von Huehnchen haben es mir angetan.

Huehnersuppe mal anders in Seoul

Neben den groesseren Gerichten gibt es zahllose Snacks, die man zum Alkohol isst. Einfach nur Trinken gehen, ist in Suedkorea eher die Ausnahme. Zu Bier und Soju gibt es, je nach Lokalitaet, zum Beispiel getrockneten Fisch oder Meeresfruechte oder fuer die, die es ein bisschen abenteuerlicher moegen, San-nakji, „lebenden“ Oktopus. Wir kombinieren das noch mit rohem Rindfleisch, quasi der koreanischen Version von Tartar. Dazu gibt es koreanische Birne und Sesamsosse, die den Oktopus betaeuben soll… Spannend!

 

DMZ – Ein Blick nach Nordkorea

Zumindest einmal raffen wir uns auf und schaffen es waehrend Tageslichts einen Ausflug zu machen. Mit einer gefuehrten Tour geht es zur Demilitarisierten Zone (DMZ) an die Grenze zu Nordkorea.

Fuer 46000 Won pro Person werden wir am Hostel abgeholt und fahren dann eine gute Stunde Richtung Norden zur Grenze. Der Koreakrieg (1950-53) endete mit einem Waffenstillstand, aber nicht mit einem Friedensvertrag. De Facto befinden sich die beiden Koreas also immer noch im Krieg. Zumeist wird dieser Krieg nun friedlich ausgetragen. Die Fahnenmasten und Lautsprecher erinnern sehr an die ehemalige DMZ in Vietnam. Auch hier wird man sich mit Propaganda beschallt und versucht die groesste Fahne und den laengsten (Mast) zu haben. Auf der Fahrt erzaehlt die Reiseleiterin noch, dass die Reisfelder bei der Grenze von Soldaten bestellt werden und den Nordkoreanern zeigen sollen, wie gut es den Menschen im Sueden geht.

Die erste Station ist der Tunnel Drei. Es ist einer von vier (bisher) bekannten Angriffstunneln, die die nordkoreanische Armee unter der vier Kilometer breiten DMZ Richtung Suedkorea gegraben hat. Diese sollten wohl fuer einen Ueberraschungsangriff genutzt werden. Als die Tunnel entdeckt wurden, behaupteten die Nordkoreaner es seien Bergbautunnel zum Kohleabbau. Kohle gibt es in dem Gebiet allerdings nicht. Ca. einen Kilometer des 1,7 km langen Tunnels koennen begangen werden, 73 Meter unter dem Erdoden. Fotografieren ist im Tunnel verboten.

Denkmal am 3. Tunnel in der Koreanischen DMZ

Dann geht es zum Dorasan Observatory. Hier kann man den Grenzverlauf sehen und auch die vorher erwaehnten Fahnenmasten. Es stehen auch Fernrohre herum, die man fuer 500 Won enutzen kann. Manchmal sieht man wohl Nordkoreaner, die ihren Geschaeften nachgehen. Fuer uns fuehlt es sich etwas nach Zoo an. Man schaut ins nordkoreanische Gehege. Vielleicht liegt das aber auch nur an den vielen Touristen, das spottet dem Ernst der Lage doch enorm.

Nordkoreanische Flagge vom Dorasan Observatory aus

Wie schon beim Tunnel Drei laeuft auch hier ein „Informations“-Film. Propagandafilm waere jetzt uebertrieben … es wirkt eher wie ein Werbefilm, der die DMZ als tolles Naherholungsgebiet anpreist. Sehr gruselig. Vielleicht haette man nicht die reisserische Stimme mit breitem amerikanischen Akzent nehmen sollen, sondern lieber etwas ruhigeres um auf die Tragik der Situation hinzuweisen. So glaubt man eher hier wird die NICER DMZ verkauft.

Am Dorasan Station gibt es eine fertige Zugverbindung nach Nordkorea, die darauf wartet eroeffnet zu werden. Grosse Karten zeigen die (in der Zukunft) moeglichen Verbindungen zum Rest Asiens und nach Europa. Momentan ist Suedkorea quasi nur per Schiff und Flugzeug zu erreichen.

Schilder in der Dorasan Station an der Grenze zu Nordkorea

Beim Nuri Peace Park in Imjingak fuehrt die Freedom Bride ueber den Imjin River nach Nordkorea. In der Gegend wohnen wohl auch viele ehemalige Nordkoreaner. Nach einem sehr kurzen Aufenthalt dort, geht es zurueck nach Seoul. Bevor wir an der City Hall abgeladen warden, duerfen wir aber noch das Ginseng Center, in dem koreanischer Ingwer angepriesen wird. Am Ende also  doch eine Kaffeefahrt.

 

Und dann ist es vorbei….

Wir versuchen die letzten Tage noch zu geniessen, aber unser Rueckflug wirft seine Schatten voraus, Kaum zu fassen wir schnell dieses letzte Jahr in Asien vergangen ist.

Nach einem tollen Abschiedsessen mit Moon, packen wir schweren Herzens ein letztes Mal unsere Rucksaecke und machen uns auf den Weg zum Flughafen…. auf in ein neues Abenteuer: Nachhausekommen nach einem Jahr in Asien.

 

One Reply to “Seoul (30. Juli – 08. August 2018)”

  1. Hi,
    welcome home I guess. I followed your blog with great interest and am looking forward to further stories.
    I realise I can never impress anymore with my ventures in the FE but have to live with that.
    Great travels and horizons must have been broadened through the year.
    Looking forward to catch up any time soon

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